Der innere Schweinehund

Ich habe ihn in mir gesucht, aber nie gefunden. Ich habe ihn bei anderen Menschen gesucht, auch dort ist er mir nie begegnet. Ich habe Fragen an ihn gestellt, aber nie eine Antwort bekommen. Ich kenne seine Adresse nicht, obwohl man mir gesagt hat, dass die wohl irgendwo in meinem Stammhirn zu verorten ist. Ich weiß auch nicht, wo sein Name herkommt, ich weiß nur, dass ich sowohl Schweine als auch Hunde mag, genauso, wie ich überhaupt alles Lebendige mag, selbstverständlich inklusive meiner Artgenossen. Nein, ich kann kein Misanthrop sein. Immer wenn ich es versucht habe, bin ich eines Besseren belehrt worden. Klar, es gibt Arschlöcher, aber das entspringt nicht unserer wahren Natur. Wir können uns frei entscheiden, Gutes zu tun, und wenn wir es bewusst, am besten noch mit Freude tun, kommt es irgendwann auf uns zurück. Das ist keine graue Theorie oder Wunschdenken, sondern entspricht meinen eigenen Erfahrungen der letzten Jahre.
„In jedem Wesen steckt die Buddha-Natur“ – Buddhistische Grundannahme
„Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ – Altes Testament
„Freude, schöner Götterfunken“ -Schiller
Was zählt, ist unser menschliches Potential, und nicht irgendwelche dunklen, egoistischen Triebe, die uns angeblich steuern. Wir sind soziale Wesen und keine eigennützigen Automaten namens Homo oeconomicus, wie uns der gegenwärtige Mainstream in Politik und Medien weismachen will. Es freut mich, zu erfahren, dass es mittlerweile eine Fülle an Experimenten aus der Spieltheorie und der Sozialpsychologie gibt, die eindeutig bestätigt haben, dass wir kooperativ handeln und Fairness lieben. Das „egoistische Gen“ eines Richard Dawkins bleibt dagegen eine reine Hypothese, die nicht beweisbar ist, allein schon deshalb, weil hier Subjektivität objektiviert werden soll, was nicht logisch sein kann. Ich habe daher beschlossen, die Suche nach dem inneren Schweinehund endgültig einzustellen. Vermutlich ist er erfunden worden, um sogenannten Faulpelzen und Taugenichtsen im Frühkapitalismus ein schlechtes Gewissen einzureden, um sich bitteschön dem Geist der protestantischen Arbeitsethik zu unterwerfen. Über ebendiese kann man angeblich in den Schriften des Soziologen Max Weber mehr erfahren. Dazu war ich bisher allerdings zu faul, da mir die für Soziologen so typischen Schachtelsätze zu anstrengend sind. oder hat mich doch ein innerer Schweinehund davon abgehalten…..:-)

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