Gehirnwäsche

Ich oute mich als als kritischer Mitarbeiter der Firma, die mir meinen Lebensunterhalt sichert. Das hat mit einem Schlüsselerlebnis zu tun, welches ich vor nicht all zu langer Zeit während einer Ansprache unserer neuen Geschäftsführung hatte. Es wurde darauf hingewiesen, dass wir „auf einem guten Weg“ seien, dass es darum ginge, ein definiertes Ziel zu erreichen, und, jetzt kommt das Entscheidende: Das „wir“ das nur wollen müssen, dann stelle sich auch der gewünschte Erfolg ein. An diesem Punkt musste ich schlucken. Da möchte mir jemand vorschreiben, was und wie ich zu denken habe und worauf ich meine Motivation richten soll. Sorry, geht nicht, mit mir nicht. Hier ist für mich persönlich eine Grenze überschritten bzw. eine Tür geöffnet zu einem Bereich, zu dem ich meinem ansonsten durchaus geschätzten Arbeitgeber den Zutritt verweigere: Meine eigene Identität. Was gehört zu meiner Identität als Mitarbeiter, wo kann ich zustimmen und wo nicht?
Loyalität: Ja
Engagement: Ja
Fleiß: Ja
Respekt: Ja
Hilfsbereitschaft: Ja
Motivation: …..mmmh…Ja, fragt sich nur,welcher Art und woher die kommt.
Gefolgschaft: Nein!
Dieses war das Entscheidende in dem Moment, als ich schlucken musste. Ich wusste instinktiv, dass ich einen vorgegebenen Weg nicht blind und gehorsam mitgehen werde, sondern meine eigenen Entscheidungen immer mit meinem Gewissen abstimmen werde. Das kann halt dazu führen, dass ich hier und da komplett anderer Meinung sein kann, als mein Brötchengeber. Kann ich zustimmen, bin ich jederzeit dabei, läuft etwas gegen meine inneren Überzeugungen, bin ich raus. Das muss nicht bedeuten, dass ich mich jeglichen Änderungen verschließe, im Gegenteil. Null Veränderung bedeutet Stillstand und Langeweile, aber wenn es vorwärts geht, muss ich auch mal „Nein“ sagen, wenn die Richtung nicht stimmt. Ich möchte meinem neuen Arbeitgeber gar nicht einmal die Absicht unterstellen, er betreibe bewusst Gehirnwäsche, aber wenn es für mich darauf hinausläuft, ist Ende der Fahnenstange. Diese Haltung nehme ich nicht nur als Arbeitnehmer ein, sondern auch als Staatsbürger. Es gibt keine „Alternativlosigkeit“.

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